23.04.2011 Ein Ort der Freundschaft

Nichts geht ohne genauen Plan: Geselle Henry Brussig erklärt Muhammed Ok und Mahir Küpelikilinc (von links) den Aufbau der Tarsus-Stele.
Mitten in Langens Zentrum wird der türkischen Partnerstadt ein neuer Ort gewidmet. Der von einer Hecke umrahmte Spielplatz zwischen Schubertstraße, Stresemannring, Gartenstraße und Schnaingartenstraße heißt ab Anfang Mai Tarsus-Anlage. Zu ihrer Eröffnung während der Feiern zum 20-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft wird dort eine Stele aus Stahl aufgestellt. Darüber hinaus plant die Stadt ein Tor der Freundschaft und setzt dabei auf engagierte Helfer und Spender.

Ende vergangenen Jahres hatte die Stadtverordnetenversammlung entschieden, dass der Spielplatz künftig den Namen der Partnerstadt trägt. Er löst damit den früheren Taunusplatz an der Gartenstraße in dieser Funktion ab. Die dort ursprünglich geplante Umgestaltung haben die Stadtverordneten aus Kostengründen verworfen.

Um die Partnerstadt auf der neuen Tarsus-Anlage sichtbar zu machen, soll dort zunächst eine Stele aufgestellt werden. Dafür hat die Stadtverordnetenversammlung 5.000 Euro zur Verfügung gestellt. Erschaffen wird das Objekt zur Stunde in der Pittler ProRegion Berufsausbildung GmbH (PBA).

Die Auszubildenden Mahir Küpelikilinc und Muhammed Ok beugen sich zusammen mit dem Gesellen der Blechwerkstadt Henry Brussig über die Pläne der Stahlstele. Das Team arbeitet auf Hochtouren an dem symbolträchtigen Projekt. Küpelikilinc, der im zweiten Lehrjahr ist, berichtet über seine ungewöhnliche Arbeit: „Das hier ist nicht ein technisches Teil, das in eine Maschine eingebaut wird. Wir machen etwas, das alle sehen können."

Die Stahl-Stele wird innen hohl sein, zwischen 150 und 200 Kilogramm wiegen, 1,8 Meter Höhe erreichen und 80 Zentimeter in die Breite gehen. Auf beiden Seiten schmückt sie das farbige Wappen der Stadt Tarsus. Dank des benutzten „Cor-Ten"-Stahls wird das Metallobjekt eine rostbraune Farbe annehmen, zugleich aber außerordentlich witterungsbeständig sein. Es ergänzt die ähnlich gestalteten Stelen in der Romorantin- und Long Eaton-Anlage, die allerdings aus Beton sind.

Auch der Auszubildende Muhammed Ok, der im dritten Lehrjahr arbeitet, spricht von einer besonderen Aufgabe. Er und seine Kollegen lernen nicht nur die komplexen Produktionsprozesse von der Zeichnung bis zum Lasern und Schweißen des Stahls kennen. Als Jugendliche mit türkischen Wurzeln sind sie zusammen mit deutschen Azubis Teil eines grenzüberschreitenden Freundschaftsprojekts. „Die Stadt hat einen schönen Bogen geschlagen zu den türkischen Jugendlichen, die bei uns eine Ausbildung machen", findet PBA-Geschäftsführer Thomas Keil. Und er sagt: „Wir können mit dieser Stele der Stadt, die uns und unsere Auszubildenden seit Jahren fördert, nun etwas zurückgeben."

Außerdem soll an der Tarsus-Anlage ein „Tor der Freundschaft" entstehen. Diese Idee wird von der Stadt Langen und dem Deutsch-Türkischen Freundschaftsverein Langen e.V. getragen. Sie denken dabei an eine Skulptur, die als Eingang zum Spielplatz dient. Ein Ort an dem Kinder und Erwachsene zusammenkommen, Freundschaften schließen - eben so wie Langen und Tarsus und die anderen Partnerstädte.

Zusammen mit den Kommunalen Betrieben hat der Fachdienst Kultur und Sport ein Modell des Bauwerks entworfen und der Idee eine Gestalt gegeben. Das Tor solle laut Kolbe an das antike Kleopatra-Tor in Tarsus erinnern, aber eben auf keinen Fall eine Kopie darstellen. „Wir wollen Ziegel verwenden, die typisch für unsere Region und Langen waren und ein Baustoff sind, der traditionell gut zu Langen passt", erläutert er. Das Tor werde gewiss einen Akzent setzen und den Platz am Stresemannring schmücken, den Eingang des Spielplatzes aufwerten und nachts, schön beleuchtet, eine Attraktion sein. Nun hoffen Kolbe und Cayir auf Unterstützung, damit die Pläne nicht ein „Lufttor" bleiben, sondern Wirklichkeit werden können: „Die Stadt Langen hat, darüber sind wir uns im Klaren, zur Zeit kein Geld für solche Projekte. Aber gute Ideen, das wissen wir aus Erfahrung, finden Freunde. Und wir haben Zeit, wollen für die Idee werben und solche Freunde gewinnen, die mit Sachspenden, tatkräftiger Hilfe oder Geld dazu beitragen, dass das Tor in nicht allzu ferner Zukunft entstehen kann."

Am Sonntag, 8. Mai, wird die Tarsus-Anlage um 10.30 Uhr von Bürgermeister Frieder Gebhardt feierlich eröffnet. Neben einer Delegation aus Tarsus wird der türkische Generalkonsul aus Frankfurt anwesend sein. Alle Langenerinnen und Langener sind herzlich willkommen. Bis zum Einweihungstermin haben die Kommunalen Betriebe Langen die Stele in ihrem Fundament verankert und ein Schild mit dem Namenszug der neuen Anlage aufgestellt. Das Freundschafts-Tor wird als Fotomontage auf einer Plakatwand einen Vorgeschmack auf das künftige Erscheinungsbild liefern.



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