02.03.2012 Business 4 future

Willkommene Unterstützung für Schüler von Fachkräften

Ausbilder Claudio Monaco (li) von der Pittler ProRegion Berufsausbildungs GmbH. Foto: e

 

Neuntklässler erfahren aus erster Hand Wissenswertes aus der Berufspraxis.

Wieder hatten Fachkräfte aus unterschiedlichen Branchen aufmerksame Zuhörer bei der Veranstaltungsreihe „Business 4 future" im Medienhaus Südhessen vor sich. Die über 50 Neuntklässler nutzten das Angebot, sich über den Beruf des Industriemechanikers und Immobilienmaklers, sowie über das Malerhandwerk und die Heilerziehungspflege zu informieren.
Freilich ist die „Ausbildungsoffensive", wie es Medienberaterin Henrike Fleher am vergangenen Freitag eingangs sagte, nur ein Angebot, damit sich der Nachwuchs im Berufs-Universum besser orientieren kann. Tatsächlich brachte den jungen Menschen die Fülle von Informationen direkt aus der Berufspraxis viel.
„Ich wusste überhaupt nicht, was es mit dem Beruf eines Industriemechanikers auf sich hatte", sagte ein fünfzehnjähriger Albrecht-Dürer-Schüler aus Weiterstadt. Allerdings sei das kein Job für ihn: „Ich will lieber erst mal Abitur machen und danach studieren." Dennoch konnte er mit den Ausführungen von Ausbilder Claudio Monaco von der Pittler ProRegion Berufsausbildungs GmbH einiges anfangen: „Das ist interessant, was der so alles macht und kann."
Monaco meinte, dass eine Ausbildung mit Sport zu vergleichen sei. „Sie müssen mit Ausdauer dabei bleiben, trainieren, lernen und immer wieder üben." Pittler arbeite mit namhaften Betrieben wie Fraport, ABB oder Thyssen Krupp zusammen, die ihre Auszubildenden zu ihnen schickten. „Etwa 250 jungen Menschen sind derzeit bei Pittler in Ausbildung." Die GmbH sitzt in Langen und in Darmstadt, wo sie den Nachwuchs zu Mechatroniker, Elektroniker und Industriekaufleuten ausbilde.
Wer sich für einen solchen Beruf entscheidet, muss mindestens einen Hauptschulabschluss mitbringen. „Aber auch schlechte Schüler können gut mitkommen", macht der Fachmann Mut. Wichtig sei, dass man Spaß und Interesse am Werkstoff Metall habe. Immer wieder wird in den Business-4-future-Runden betont, dass Leistungen und sichtbare Bemühungen von Seiten der Azubis belohnt würden. Am Anfang der Ausbildung, so Monaco, stünden der Unterricht zu „Werkstoffeigenschaften und -prüfung". Der Nachwuchs stelle zunächst einfache mechanische Baugruppe her, warte technische Systeme. Später kämen Grundlagen der pneumatischen Steuerungstechnik hinzu, und das Einstellen und Führen von Werkzeugmaschinen sowie das Fertigen auf CNC-Maschinen und das Montieren technischer Systeme. Am Ende der Ausbildung sei man in der Lage komplexe Teilsysteme herzustellen, defekte Systeme zu erkennen, die Betriebsfähigkeit sicherzustellen und Systeme Instand zu setzen. „Ein unglaubliches Know-how", wirbt der Pittler-Mitarbeiter, der mit Nachdruck sagt, wie wichtig auch „Ordnung, Sauberkeit und Pünktlichkeit" seien.
Um die Chancen von vorneherein zu erhöhen, so die Experten, empfiehlt es sich einerseits über seinen Wunschberuf klar zu werden, andererseits Alternativen in der Hinterhand zu haben, falls es mit den Bewerbungen nicht klappt. Gute Noten sind freilich immer von Vorteil, sagt der Immobilienmakler Suat Aycil, um dann rasch mit den Vorurteilen aufzuräumen, die um den Maklerberuf kreisen. „Viele haben die Vorstellung, dass wir wenig arbeiten, aber dicke Mercedes SL fahren." Solche Kollegen gebe es natürlich, doch die meisten arbeiteten „lange und sehr hart". Schließlich werde man nur bei Erfolg bezahlt. Immobilienkaufleute sind immer unterwegs, um Grundstücke, Häuser oder Wohnungen zu vermitteln, vermieten, verpachten oder verkaufen. „Der Beruf macht Spaß und ist vielfältig." Gleichzeitig verlange er „sehr viel Fingerspitzengefühl", so Suat Aycil von Awa-Immobilien.
Dieses gehört ebenso zum Maler- und Lackiererhandwerk, wie die Schüler von Simon Isser vom hessischen Verband Farbe Gestaltung Bautenschutz erfahren. „Als Maler braucht man vor allem kreative Ideen, Farb- und Formgefühl sowie fachliches und handwerkliches Können." Neu ist für die Fünfzehnjährigen aber, dass man in dieser Branche immer im Team arbeitet.
Isser: „Auf der Baustelle sind viele Menschen unterwegs, wie Maurer, Spengler, Elektriker, Bauleiter und Architekten." Jeder müsse sich mit jedem abstimmen. Zuallererst muss auf die Wünsche der Auftraggeber eingegangen werden. „Das Kundengespräch ist deshalb auch ein bedeutender Teil der Abschlussprüfung." Die Schüler lernen einiges über verschiedene Maltechniken und auch, welche Aufgaben Restauratoren oder Techniker haben.
Ausgebildete Maler können bei Maler- und Lackierwerkstätten sowie in Fachbetrieben für Bau-Erhaltung und Restaurierung arbeiten. Wer Geselle ist, kann auch als Vorarbeiter tätig sein. „Viele setzen noch einen Meister drauf." Wesentliche Elemente dieses Berufs seien Geduld und genaues Arbeiten. Denn Tapezierarbeiten, der Umgang mit Dekorputzen und das Verlegen von Fußböden verlangten Präzision.
Über die Fachschule für Sozialwirtschaft und den Beruf des Heilerziehungspflegers informierte Bianca Girschik von der Teamleitung Mission Leben Lernen GmbH im Darmstädter Roquetteweg. Auf der Grundlage christlicher Grundsätze bietet dieses gemeinnützige und diakonische Unternehmen Menschen in bedrängenden Lebenssituationen Hilfe an. So engagiere sich Mission Leben mit etwa 1300 Mitarbeitern in der Alten-, Kinder- und Jugend-, Behinderten- und Wohnungslosenhilfe. Wie auch die anderen vorgestellten Ausbildungsberufe, dauere „die an unserer Fachschule drei Jahre", so Bianca Grischik.
Zum Berufsbild gehörten neben der Pflege der Menschen, die zudem zu planen und zu dokumentieren ist, auch bei der medizinischen Diagnostik und Therapie mitzuwirken. Ein gelernter Heilerziehungspfleger müsse die individuellen Lebenswelten und sozialen Netzwerke der Betroffenen berücksichtigen und mit Krisen sowie schwierigen sozialen Situationen umgehen können. Attraktiv ist der Beruf deshalb, weil er etliche Weiterqualifizierungsmöglichkeiten bietet. Der eingeschlagene Weg kann weiter in Richtung Gerontopsychiatrie, ins Qualitätsmanagement oder in die Palliativmedizin führen.

 



zurück